10. Juli 2026 

Erich Mühsams warnt in Britz:

„Machen wir uns keine Illusionen. Ein Wahlsieg der AfD am 20. September läutet das Ende der Demokratie ein! Deshalb: Keine Stimme für die AfD!”

Erich-Mühsam-Graffiti an der Hufeisentreppe

Mit den Rechtsextremisten hat Erich Mühsam Erfahrung. Das machte er am 10. Juli vor seinem ehemaligen Wohnort in der Dörchläuchtingstr. deutlich. Eingeladen hatte unsere Anwohnerinitiative Hufeisern gegen Rechts, um ihn in einem fiktiven Interview über seinen, letztlich vergeblichen, Kampf gegen die völkischen Kräfte in der Weimarer Republik zu befragen. Zur Grundlage seiner äußerungen wurden Auszüge aus Mühsams Reden, Briefen und Artikeln herangezogen und mithilfe des Interviewers in Beziehung zur aktuellen Bedrohungslage durch das Anwachsen der AfD und ihres politischen Umfeldes gesetzt.
In dem ca. 45minütigem Gespräch wurde deutlich, daß Mühsam zwar die Gefahr des Rechtsextremismus frühzeitig erkannt, aber kein entscheidendes Mittel gefunden hatte, dieser wirksam zu begegnen. Seine grundlegende Kritik an den Parteien jeglicher Richtung und seine strikte Ablehnung, den bürgerlich-parlamentarischen Staat gegenüber dem Angriff der Nazibanden als schützens- und verteidigungswert anzusehen, machten ihn zu einem isolierten antifaschistischen Kämpfer, der lediglich in Teilen der in Deutschland weitgehend einflußlosen anarchistischen Gruppierungen Unterstützung fand. Erst als die Nazis das Tor zur Macht weit aufgestoßen hatten, erkannte er die Notwendigkeit, mit den politischen Kräften, die sich den Nazis entgegenstellten, eine gemeinsame antifaschistische Front zu bilden. Doch da war es bereits zu spät.

Mühsams Aufruf im „Arbeiterecho” vom 4. Februar 1933

Im Laufe des Interviews wurde deutlich, daß das schnelle Anwachsen der AfD, in der sich rechtsextreme, raßistische und völkische Parteigänger formiert haben, nicht nur für linke Positionen eine existentielle Bedrohung darstellt. Diese gilt ebenso für die bürgerlichen Parteien und Institutionen sowie für zivilgesellschaftliche Organisationen und Initiativen, die sich für demokratische Rechte stark machen. Der deutsche Faschismus hat die grausame Lehre hinterlaßen, daß völkische Auffaßungen, kommen sie einmal an die Macht, jegliches demokratische Leben, jede oppositionelle Haltung rücksichtslos bekämpfen und ein auf Raßismus und Nationalismus beruhendes Gewaltregime errichten. Daher gilt es heute, den Fehler der Weimarer Republik nicht zu wiederholen, sondern gemeinsam den Angriff auf die Demokratie zurückzuschlagen. Breite antifaschistische Bündniße sind heutzutage nötiger denn je.
Musikalisch umrahmt wurde das Interview von Paul Geigerzähler, der vier vertonte Mühsam-Gedichte vortrug, in denen Mühsams kompromißlose Einstellung zum Ausdruck kam, die ihn sein ganzes Leben als moralisch integren Kämpfer gegen jegliche Form von Unterdrückung ausgezeichnet hat.
Den Abschluß bildete ein Grußwort von Rosemarie Bouteiller, Vorsitzende der Erich-Mühsam-Gesellschaft, in dem sie angesichts der gewaltigen Kräfteverschiebung der letzten Jahre zugunsten der politischen Rechten in einem flammenden Appell auf Mühsams verzweifelten Kampf und Untergang einging. Es wäre unverzeihliche Geschichtsvergeßenheit, wenn wir dieses Desaster erneut zulaßen würden. Im Sinne von Erich und Zensl gebe es nur eine Schlußfolgerung: Gemeinsam gegen jeglichen Rechtsextremismus in diesem Land.

Einige Eindrücke vom Erich-Mühsam-Gedenken 2026 in der Hufeisensiedlung:

verschiedene Bilder vom Erich-Mühsam-Gedenken

Zum Plakat der Veranstaltung

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